Info

Die Bürgerinitiative Kunsthalle Mannheim  ist gegen den Abriss des Skulpturenmuseums (Mitzlaff-Bau) am Wasserturm und gegen Verschwendung von Steuergeldern. Aus ökonomischen und ökologischen Gründen ist sie für den Neubau direkt gegenüber des Eingangs zur historischen Jugendstil-Kunsthalle, dem „Billing-Bau“.

Die Jugendstil-Kunsthalle und ein neues Museum in der Nachbarschaft der Heilig-Geist-Kirche bilden im Zusammenspiel mit der Hachenburg-Schule ein repräsentatives Gebäude-Quartett von reizvoller Stil-Vielfalt. Das Mannheimer Stadtbild wird dadurch entlang der Seckenheimer Straße verbessert. Dort ist eine Aufwertung auch dringend erforderlich. Am Wasserturm ist das nicht der Fall. Der Friedrichsplatz bleibt durch diese Standortänderung für den Neubau in seiner denkmalgeschützten Stil-Einheit erhalten. 

Störende Neubaufassaden fallen links des Rosengartens bereits seit Jahrzehnten ins Auge. Es braucht keinen weiteren Neubau, der die Anmutung der Anlage beeinträchtigt.






KUNSTHALLE MANNHEIM 2017  -  Was ist eine "MUSEUMSSTADT"?
Städtebau, Begrifflichkeit...?, Respekt? Respektlosigkeit?

"MuseumsStadt"? "Museums-Landschaft"? Eine kritische Betrachtung.
von Gerd Fuchs, Architekt und Stadtplaner

Der viele strapazierte superlative Begriff "MuseumsStadt" für den geplanten GMP-Neubau für die Kunsthalle ist ein bewusst falsch gewählter Begriff! Es handelt sich aber um keine "Stadt", es ist ein einfaches, zeitgemäßes und sehr großes Gebäude. Man möchte aber mit dem Attribut "Stadt", also "Museums-Stadt" eine hohe städtebauliche Bedeutung implizieren, die diese Planung gar nicht hat und gar nicht haben kann. Da nützen alle superlativen Verlautbarungen zu dem angeblich so fantastischen Entwurf von GMP nichts. Größe und übermäßige Dominanz ist noch lange kein Qualitätsmerkmal für guten Städtebau! Da mag der Entwurf von GMP von der Abfolge seiner Räume, von seiner Funktionalität und meinetwegen auch von seiner "nächtlichen Transparenz", so gut sein, wie er will, aber bitte doch nicht an dieser Stelle!!! *)

Wenn jedoch die neue Kunsthalle unter Beibehaltung eines sanierten Mitzlaff-Baus auf einem angrenzenden Grundstück realisiert werden könnte, hätte man drei Museums-Gebäude, in diesem Falle wäre der Begriff "MuseumsStadt" schon deutlich eher gerechtfertigt!

Man muss die Großzügigkeit der Eheleute Hector als einmalige Chance sehen tatsächlich eine "Museumsstadt" in Mannheim zu realisieren, die über die bloße Fixierung auf den Friedrichsplatz hinausgeht. Diese außergewöhnliche Spende kann ungeahnte Möglichkeiten eröffnen um das angrenzende Stadtgebiet tatsächlich als MuseumsStadt einzubeziehen und aufzuwerten. Diese Chance wird zurzeit offensichtlich nicht erkannt und oder eventuell bewusst leichtfertig vertan, um in der vermeintlich besten Lage der Stadt für die Initiatoren ein neues Denkmal ihrer Person (?) zu setzen. Ich meine damit mit Sicherheit nicht das großzügige, liebenswerte und engagierte Ehepaar Hector, Auch nicht den ebenso engagierten Verfechter und Sponsor des Neubaus Herrn Manfred Fuchs!

Die Respektlosigkeit, die einhergeht mit dem Gedankengut der Stadtplaner und Architekten von vor 30 Jahren, ist heute in der Museumsleitung und der Stadtverwaltung immens und unangebracht!

Es wird versucht mit leeren Worthülsen und mit dem Geld anderer, die eigenen ehrgeizigen Ziele umzusetzen. Diese bestehen darin, möglichst eine Weltarchitektur nach Mannheim zu bringen, um mit den größten Museumsplätzen der Welt (Bilbao, New York, etc.) mithalten zu können! Es geht gar nicht darum die tollen Gemälde und Skulpturen im Besitz der Kunsthalle Mannheim besser zeigen zu können, es geht einzelnen Personen darum in der Weltliga der Museumsbauten mitspielen zu können. In dieser Welt Beachtung zu finden!

Eine "Kunsthalle für ALLE"??, (wenn es sowas überhaupt gibt....?) ist auch jetzt schon der Billing-Bau und der Mitzlaff-Bau! Auch hier also wieder eine Worthülse, die missbraucht wird, um damit eine vermeintlich große Akzeptanz unter der Bevölkerung zu implizieren, die es aber in Wirklichkeit auch gar nicht gibt. Die Besucher der Kunstausstellungen sind in der Regel ein relativ kleiner, elitärer Kreis! Dies wird sich auch mit einem kolossalen Neubau am Friedrichsplatz nicht ändern lassen!

Die städtebauliche und architektonische Qualität des Mitzlaff-Baus, die unter anderem in einer deutlichen Unterordnung unter den Billing-Bau liegt, sind bei objektiver Betrachtung nicht zu übersehen. Der Mitzlaff-Bau lässt rechts und links zu den Grundstücksgrenzen jeweils 19 m Freiraum, sodass vom Friedrichsplatz der Billing-Bau deutlich zu sehen ist. Von Gerkans Entwurf hingegen bringt den Billing-Bau in eine massive Bedrängung!

Über eine begrünte und mit Skulpturen bespielte Freiraum-Kunstzone ist derzeit noch das Jugendstilensemble des Friedrichplatzes mit der Jugendstilarchitektur des Billing-Baus wahrnehmbar verbunden. Das kulturell geprägte Umfeld profitiert davon. Durch die von Meinhard von Gerkan geplante - durch Größe und extrovertierte Fassadengestaltung - überaus dominierende Neubauarchitektur - mit einer deutlich größeren Fassaden-Breite - wird der Jugendstilbau Billings vom Friedrichsplatz regelrecht abgekoppelt. Er gerät komplett in den Schatten des Gerkan-Baus, der im Falle seiner Realisierung alles dominieren wird. Dies tut der Mitzlaff-Bau bewusst nicht. Er fügt sich in seiner Höhe und Breite respektvoll in die hochwertige, sensible Stadtarchitektur ein. Dies haben sich die Stadtplaner Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre überlegt und als städtebauliche Forderung postuliert und architektonisch konsequent umgesetzt. Diese Postulate sind richtig und sollten auch heute noch Gültigkeit haben!

Der Mitzlaff-Bau ist sicherlich keine WeltArchitektur, die sich mit den heutigen großen internationalen Museumsbauten messen kann, aber er hat an dieser städtebaulich sensiblen Stelle in Mannheim seine absolute Berechtigung und verdient dafür Respekt! Ich habe den sicheren Eindruck, der geplante und heute hochgepriesene Gerkan-Bau würde – im Falle einer Realisierung – 30 Jahre später sicherlich auch keine Weltarchitektur mehr sein und müsste dann, wenn man sich die Logik der Verfechter des Neubaus zu eigen macht – auch abgebrochen werden!? Vorausgesetzt es fände sich wieder ein großzügiger Sponsor!!

Der Mitzlaff-Bau weist auch von seiner Fassade her eine angemessene Gliederung auf, die in moderner Form die vertikale Gliederung des Jugendstilgebäudes Billings übernimmt.
Die Frontfassade ist bestimmt durch einen zurückgesetzten Mittelrisalit und zwei vorgezogene Seitenrisalite.
Mit seiner - der städtebaulichen Situation angemessenen - Zweigeschossigkeit erweist er dem im zentralen Bereich deutlich höheren Jugendstilgebäude des Architekten Hermann Billing Respekt. Dem Entwurf von Gerkans fehlt diese Sensibilität gänzlich. Sein Entwurf nimmt seitlich die Breite der Schmalseite des Billing-Baus auf und verdreifacht diese nach einem engen schluchtigen Abstand zum Billing-Bau.

Ich bin mir nicht sicher, ob die heutige Stadtverwaltung diesen Qualitätsverlust im Bereich Städtebau zum Zeitpunkt der Ausschreibung bewusst missachtet hat. Es musste ja schließlich schnell gehen! Sie wählte in jeder Hinsicht den Weg des vermeintlich geringsten Widerstandes. Von der Leitung der Kunsthalle war ja alles gut in die gewünschte Richtung vorbereitet.

Fazit:
Durch einen massiven breiten Neubau den Friedrichsplatz und das angrenzende Kunst-& Kulturviertel mit alter Kunsthalle, Karl-Friedrich- Gymnasium, Heiliggeistkirche, Hachenberg-Schule in seiner derzeitigen parkartigen offenen städtebaulichen Verknüpfung komplett vom Friedrichsplatz abzuschotten ist – völlig unabhängig vom Denkmalschutz – städtebaulich falsch!

Die Chance ein vorhandenes Kunst-& Kulturviertel durch einen hochwertigen Architekturkomplex zu verstärken, aufzuwerten wird schlichtweg vertan, wenn der geplante von Gerkan-Entwurf so realisiert werden sollte. Man sollte alles daran setzen, dies zu verhindern.

12. Januar 2014

Gerd Fuchs
Architekt und Stadtplaner


*) sarkastische Anmerkung:
am besten den Entwurf nach China, in eine kleine chinesische Stadt verkaufen und dort bauen. Obwohl für die Chinesen, wäre dieser Entwurf mit Sicherheit zu langweilig!

Erläuterungen:

GMP = Abkürzung für das Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner, die den Entwurf für den Kunsthallen-Neubau 2012 verfasst haben. Aber auch den Flughafen Berlin. Das Freizeitbad Potsdam. Und die Kostensteigerung "Das Wormser" in Worms zu verantworten haben.
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Wird die Spende der Fam. Hector nachhaltig und sinnvoll eingesetzt?
Was verbleibt von der Spende in Höhe von 50 Mio. € für die eigentlichen Neubau-Maßnahme, wenn man am Standort Friedrichsplatz baut?

Der Gebäudewert eines öffentlichen Gebäudes (Kunsthalle/Mitzlaffbau) wird verschenkt, Abrisskosten und Entsorgung des Gebäudes, (Feinstaubbelastung in einer Umweltzone!) Abrisskosten der Bunker-Anlage, der Sach-Wert der Grünflächen-Ausgleichsgrundstücke, der Sach-Wert der zu fällenden Bäum, alle Berge-Arbeiten der Kunstwerke des Skulpturen-Gartens, der Sach-Wert der grauen Energie gespeichert im Mitzlaffbau, Rückstellungen für Gebäudeschäden an der Nachbar-Bebauung aufgrund der Abrissarbeiten, Rückstellungen für Künstler-Entschädigungen für die Kunstwerke, die fest mit dem Gebäude verbunden sind und nicht geborgen werden können.
Logistik-, Transport und Versicherungskosten (während der Abrissphase müssen die im Bunker-Depot und im Mitzlaffbau vorhandenen Kunstwerke ausgelagert werden.)

Alle vorgenannten Kosten entstehen an unserem alternativen Standort nicht.

Folgende immateriellen Werte werden mit einem Neubau zwischen Heilig-Geist-Kirche und Max-Hachenburg-Schule zusätzlich geschaffen:

Das Stadtbild gegenüber der Heilig-Geist-Kirche wird deutlich aufgewertet und ist als Standort zu bevorzugen, da eine Stadtbildaufwertung am Friedrichsplatz derzeit nicht erforderlich ist. Aufgewertet wird der einstige Haupteingang der Kunsthalle (Billingbau). Der Blick auf das Portal wird bis hin zur Seckenheimer Straße durch die Schaffung eines Stadtplatzes freigegeben.
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Hier der link zu den Entwürfen von gmp:
Die Bilder vom Architekten-Entwurf sehen Sie hier.
Bitte klicken Sie oben auf das Wort: hier.
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Hier finden Sie viele Leserbriefe des Mannheimer Morgens zum Thema Kunsthalle. -> Leserbriefe
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Hier die links zu allen Veröffentlichung
der Stadt Mannheim zum Thema Kunsthalle:
Veröffentlichungen zum Thema Kunsthalle.
Zur weiteren Information klicken Sie bitte oben auf die Wörter: Veröffentlichung, Kunsthalle.

--------------- Fachmagazin: 
german architects 
eMagazin
Hier ein lesenswerter Artikel aus der Fachwelt.
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video Dany Fresh: " Bemal Deine Stadt.
Auftrags-RAP von Frau Dr. Lorenz zur Aufbruch - Stimmung (Kunsthallen-Abriss).
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Passend zum Thema das video Dany Fresh: " Bemal Deine Stadt.
Auftrags-RAP von Frau Dr. Lorenz zur Aufbruch - Stimmung (Kunsthallen-Abriss).
Kulturwandel mit commercial-rap.  Und 8mile ist erst 10 Jahre her.......
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Quellenangaben zur Tabelle "ppp" siehe oben:

1) Beschluss Nr. V 025 /2012 der Stadt Mannheim, Betreff: Mitgründung der Stiftung Kunsthalle Mannheim zur Errichtung des Neubaus sowie zur finanziellen Entlastung von wissenschaftlichen und künstlerischen Sonderprojekten (insgesamt 11 Seiten - Kopien liegen am Montag bereit)
2) Protokoll zur Preisgerichtssitzung, Stiftung Kunsthalle Mannheim, assmann gruppe (40 + 4 Seiten)
Betreff: Neubau Kunsthalle Mannheim, Nichtoffener Wettbewerb nach RPW 2008, Mannheim, den 18.07.2012 und 19.07.2012
3) Internet-Seite der Stiftung Kunsthalle Mannheim: Stimmen aus dem Preisgericht (nach der Entscheidung "gmp" vom 05.12 2012)
http://stiftung-kunsthalle-mannheim.de/neubau-news/stimmen-zum-neubau 







 

Kommentare:

  1. gmp - neue Idee?
    http://www.baukunst-nrw.de/objekte/Kunsthalle-Duesseldorf--1187.htm

    vgl. auch Freizeitbad Potsdam

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  2. http://www.apple.com/retail/fifthavenue/

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